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| Liebes Forum! :: Zur OP im Rock |
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marina711 Premium


Alter: 39 Angemeldet seit: 12.12.2009 Beiträge: 197 
Wohnort: Meerbusch
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Verfasst am: 20.Feb.10 13:29 Nr: 18972 Titel: Meine Gedanken |
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Hallo ihr Lieben,
nachdem aus meinen zuerst kleinsten Schritten, kleine Schritte und jetzt normale Schritte wurden, denke ich es wird Zeit einen neuen Thread anzufangen.
Seit ich mich hier Mitte Dezember 2009 angemeldet habe, hat sich in meinem Leben einiges verändert, vor allem psychisch.
Ich habe viel gelesen, zum Teil bis zu den Anfängen dieses Forums zurück. Habe mir die Geschichten unserer Admin Xenia, der Mods und vieler Userinnen angesehen. Festgestellt, das einige der Poster(innen) von damals inzwischen wohl nicht mehr hier sind. Einige Streitgespräche nachgelesen. Aber auch viele positive Erlebnisse und Gefühle gesehen. Insofern bin ich inzwischen der festen Überzeugung, dass ich hier am richtigen Platz bin. Es wird hier höflich und respektvoll mit einander umgegangen, ohne das dabei auch der Spaß in irgendeiner Form zu leiden hätte.
Meinungsverschiedenheiten gehören auch mit zum Leben. Insofern macht es mich traurig, zu sehen, dass einige der Forumsmitglieder nur deshalb hier weg sind. Ich hatte immer den Eindruck, dass hier selbst bei erheblichen Meinungsverschiedenheiten immer versucht wurde eine Lösung oder Kompromiss zu finden. Eine solche Auseinandersetzung hatte ich ja hier erst kürzlich sozusagen live miterlebt. Auch wenn ich mich raus gehalten habe, fand ich es doch bestürzend. Daher meinen Respekt an die Moderatoren für den strikten Eingriff und die Streitschlichtung.
Mit flauen Gefühlen denke ich an meinen ersten Stammtisch am 17.Januar im Café Süd zurück. Mein Gott war ich nervös, aber warum eigentlich? Ich bin halt nun mal ein sehr vorsichtiger Mensch. Ich denke lieber 100-mal über einen Satz nach bevor ich ihn schreibe. Genauso hatte ich monatelang darüber nachgedacht, ob ich es wagen kann zu einem solchen Treffen zu gehen. Monatelang, nein eigentlich jahrelang, denn ich kenne Xenias Webseite und das Forum mindestens schon seit 3 Jahren. Irgendwann hatte ich auch mal das Lesezeichen hierher gelöscht, weil ich glaubte, das ist nichts für dich.
Über viele Jahre habe ich mir selbst eingeredet, dass ich eigentlich nur einen Schuhfetisch habe. Aber zu den Schuhen kamen dann immer mehr andere Dinge, vor allem Jeansröcke, Hosen, Shirts, Blusen, Blazer, Dessous und so weiter. Und immer wieder Schuhe und noch mehr Schuhe. Das liegt vielleicht auch daran, dass (halbwegs) passende Schuhe in 42 einfacher zu bekommen sind, als Kleidung in Übergröße. Meine Kleidergröße ist nun mal 54 / 4XL. Eigentlich habe ich ja Schuhgröße 43 weit. Aber je nach Schnitt geht 42 oftmals auch. Es waren aber auch viele, viele Fehlkäufe dabei. Irgendwann also stand ich komplett in Damenbekleidung und mit Perücke vorm Spiegel und dachte, das da bist eigentlich wirklich du.
Bisher habe ich meistens Damenschuhe unter langen weiten Jeans getragen, sogar an Bürotagen auf Arbeit. Eher unauffällige Modelle mit niedrigem Blockabsatz. An den anderen Tagen, bei denen ich zu Kunden fahre, sowieso. Bei den Kunden muss ich ja ohnehin Sicherheits-/Arbeitskleidung anlegen. Und da ich mich meistens schon vor der Anmeldung umziehe sieht das ja auch niemand. Ich bin mir sicher dass es dem einen oder anderen Kollegen auch aufgefallen ist, dass ich so „andere“ Schuhe trage, nur hat in all den Jahren bisher noch nie jemand etwas gesagt. Auf der anderen Seite ist das aber auch gut so.
Jedenfalls bin ich wohl so im Sommer 2009 an den Punkt gekommen, an dem ich mir selbst eingestehen musste, dass es mehr als nur ein Fetisch ist. Ich fing an komplett en Femme einkaufen zu gehen, alles außer Makeup natürlich. So bin ich dann halt im Teil-Trümmerlook nach der Arbeit in den Supermarkt, aber auch in die Fußgängerzone. Im Spätsommer, als es noch richtig heiß war, sogar in einem weißen Leinenkleid so im Cargostil mit Knopfleiste vorne und Keilespandrillsandalen. Ich musste feststellen, das fühlte sich besser an als alles was ich bisher getan hatte. Natürlich war ich anfangs auch extrem aufgeregt, aber als ich gemerkt habe, dass ich zumindest im Supermarkt von den meisten Leuten gar nicht beachtet werde, ging es.
Das war ja alles schon mal ganz schön, aber das änderte nichts an meiner Einsamkeit. Ich wollte nicht mehr allein sein. Das hatte ich die letzten 20 Jahre, seit ich aus der Schule kam.
20 Jahre Einsamkeit machten mich übervorsichtig und misstrauisch. Ich sehe in allem einen Hintergedanken. Ich grüble oft stundenlang über eine Äußerung nach, nur um dann festzustellen das es ganz anders und völlig unverfänglich gemeint ist. Frage mich ständig ob ich mit meinen eigenen Äußerungen in irgendeiner weise beleidigt oder verletzt habe.
Während meiner Reha im März/April 2009 riet mir der Psychologe, den ich aufgesucht hatte, ich sollte mich am besten einer SHG anschließen. Und wie man sieht habe ich noch 8 Monate gebraucht bis ich es gewagt habe. 8 Monate habe ich wieder mit Grübeln verbracht. Als dann die zunehmende Winter-Dunkelheit auf mein Gemüt drückte, hielt ich es nicht mehr aus. Dieser Schritt, mich anzumelden und mich zu offenbaren war so unendlich schwer. Aber ich muss zugeben, ich habe den Schritt bisher nicht bereut.
Seither habe ich so viele liebe und verständnisvolle Menschen kennen gelernt. Menschen die mir eine Hand gereicht haben und mich aus diesem tiefen, dunklen Loch der Selbstzweifel und Angst hochgezogen haben. Ich will nicht behaupten, dass ich schon oben angekommen bin. Aber das Licht am Ende des Schachts ist hell und deutlich zu sehen. Noch quälen mich immer wieder depressive Schübe so alle 3-4 Tage. Aber das ist immerhin besser als die Dauerdepression in der ich so lange lag.
Durch euch habe ich wieder eine Perspektive im Leben gefunden. Die Hoffnung eines Tages auch jemanden zu finden, der mich so annimmt wie ich bin. Das Gefühl das dieses Leben mehr sein kann als nur Arbeit, denn das war 13 Jahre lang mein einziger Lebenssinn.
Ich hoffe jetzt, das mein doch ziemlich langer Gedankenerguss auch wirklich jemanden Interessiert. (Da sehr ihr es, das Gegrübel fängt schon wieder an).
Viele Grüße
Marina |
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Ava Moderator


Alter: 42 Angemeldet seit: 16.04.2007 Beiträge: 637 
Wohnort: Krefeld
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Verfasst am: 20.Feb.10 14:43 Nr: 18973 Titel: |
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Hallo Marina,
vielen Dank für diesen offenen Beitrag. Ich denke, dass dies auch für andere interessant ist, die mit ähnlichen Zweifeln zu kämpfen haben.
In einigen Abstufungen und unterschiedlicher Ausprägung deckt sich Deine Geschichte mit den Erfahrungen vieler anderer User hier. Denn auch wenn es heute manche hier verwundern mag: Auch ich habe mal den inneren Schweinehund überwinden müssen, bis ich mich zum ersten mal in einem Transgenderforum angemeldet habe. Und dann hat es auch bei mir noch einige Zeit gedauert, bis ich mich das erste Mal rausgetraut habe. Ich weiß auch, dass es fast allen hier einmal ähnlich ergangen ist.
So gesehen ist es sehr wichtig, diese Erfahrungen einmal zu dokumentieren und anderen zugänglich zu machen. Zeigen ie doch, wie wichtig der Austausch in Bezug auf unsere ja nicht gerade triviale Transgendereigenschaft ist.
Vielen Dank auch für die netten Worte ans Team.
Viele Grüße
Ava _________________ Der Gendertreff bei Twitter http://twitter.com/gendertreff |
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Xenia Administrator


Alter: 52 Angemeldet seit: 25.04.2006 Beiträge: 829 
Wohnort: Erkrath
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Verfasst am: 20.Feb.10 20:18 Nr: 18979 Titel: |
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Hallo Marina,
natürlich interessiert es! Ganz ehrlich, tut es nicht wirklich gut, so einiges mal von der "Leber" zu reden?
Lieben Gruß
Xenia _________________ Transgender aus Leidenschaft |
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marina711 Premium


Alter: 39 Angemeldet seit: 12.12.2009 Beiträge: 197 
Wohnort: Meerbusch
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Verfasst am: 20.Feb.10 23:19 Nr: 18983 Titel: |
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Hallo Ava und Xenia,
da ich ja immer noch sehr neu bin, war es mir ein Bedürfnis einmal alles das darzustellen, dass mich bewegt während ich hier lese. Wie ich die Dinge die hier im Forum passieren erlebe und wie ich mich dabei fühle. Aber auch wie sich meine Sicht der Dinge im Laufe der Zeit verändert hat. Welche Ereignisse der Auslöser waren, dass ich endlich zu mir selbst stehe. Und wieso ich manchmal so seltsam reagiere auf das, was gesagt oder geschrieben wurde. Aber auch wie es im Moment in mir aussieht und welche Perspektiven ich sehe.
Und ja es tut gut sich einfach mal die Sorgen, Ängste und alles andere von der Seele zu schreiben. Es ist halt so, das mir Schreiben einfacher fällt als Reden. Beim Schreiben kann ich mir mehr Zeit lassen um alles ganz genau auszuformulieren, notfalls auch 100 mal alles abzuändern bis ich denke das es passt.
Aber es gibt auch noch ein paar gute Nachrichten von mir: Sofern nicht wiedermal mein Job dazwischen funkt, würde ich gerne an dem Ausflug am Pfingstsamstag teilnehmen. Buzzern werde ich aber erst wenn der Termin bei mir sicher ist.
Außerdem besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, das wir beim Brauhaus Treffen in der Nacht vom 06.11 auf den 07.11 auf meinen 40. Geburtstag anstoßen können.
Ich wünsche euch morgen viel Spaß beim Treff Rheinland, an dem ich ja leider nicht teilnehmen kann.
Viele liebe Grüße
Marina |
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Manu Gast
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Verfasst am: 21.Feb.10 13:19 Nr: 18987 Titel: Meine Gedanken |
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Hallo Marina,
sollte das mit dem Anstoßen auf Deinen Geburtstag klappen,werde ich dir die Geburtstagstorte schnitzen.Und wenn Gitta und ich die Torte nicht unterwegs schon verputzt haben,kriegst Du ein echtes Unikat.
Weil Gitta ist nämlich manchmal ein kleiner Freßsack.
GLG Manu.  |
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Ava Moderator


Alter: 42 Angemeldet seit: 16.04.2007 Beiträge: 637 
Wohnort: Krefeld
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Verfasst am: 21.Feb.10 13:53 Nr: 18988 Titel: Re: Meine Gedanken |
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Hi,
| Manu hat folgendes geschrieben: |
| Weil Gitta ist nämlich manchmal ein kleiner Freßsack. |
yep, das ist bekannt. Und der Rest verschwindet in ihrer Handtasche, z.B. für Belgien, Bremen, Bitburg und ähnliche Ziele.
Es ist schön und richtig, Marina, dass Du darüber redest und schreibst, denn es hat sich ja in den vergangenen Jahren einiges angestaut. Auch freue ich mich, im November mit Dir auf Deinen Geburtstag anstoßen zu können - Dein erster Geburtstag als Frau.
Viele Grüße
Ava _________________ Der Gendertreff bei Twitter http://twitter.com/gendertreff |
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Petrale User

Alter: 61 Angemeldet seit: 10.02.2010 Beiträge: 3 
Wohnort: Nähe Kirchheim/Teck
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Verfasst am: 21.Feb.10 15:23 Nr: 18990 Titel: |
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Hallo Marina,
ich kann Dir gut nachfühlen. Auch mich tribt s immer wieder in ein tiefes Loch. Auch nach jetzt mehr als 5 Jahren nachdem ich bei meiner Frau und auch bei verschiedenen Treffen geoutet bin. Es ist auch für mich schön als Frau einkaufen zu gehen. Leider bin ich meist allein unterwegs. Die paar Mal wo noch eine Schwester oder auch eine Frau dabei waren, waren die schönsten.
Ich wünsche Dir auf Deinem Weg alles, alles Gute
Petra
aus dem Schwabenland _________________ Lebe Dein Leben, es ist eh zu kurz. |
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marina711 Premium


Alter: 39 Angemeldet seit: 12.12.2009 Beiträge: 197 
Wohnort: Meerbusch
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Verfasst am: 21.Feb.10 18:54 Nr: 18992 Titel: |
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| Manu hat folgendes geschrieben: |
Hallo Marina,
sollte das mit dem Anstoßen auf Deinen Geburtstag klappen,werde ich dir die Geburtstagstorte schnitzen.Und wenn Gitta und ich die Torte nicht unterwegs schon verputzt haben,kriegst Du ein echtes Unikat.
Weil Gitta ist nämlich manchmal ein kleiner Freßsack. |
Liebe Tinky, ich freue mich schon auf deine Torte, denn auch ich bin ein (bisschen größerer) Freßsack. Woran man das bei mir nur sieht? :zyn:
| Ava hat folgendes geschrieben: |
Es ist schön und richtig, Marina, dass Du darüber redest und schreibst, denn es hat sich ja in den vergangenen Jahren einiges angestaut. Auch freue ich mich, im November mit Dir auf Deinen Geburtstag anstoßen zu können - Dein erster Geburtstag als Frau. |
Liebe Ava, ich kann es gar nicht oft genug betonen, wie sehr du aber auch alle andern mir geholfen habt. Ich hoffe so das dies wirklich mein erster Geburtstag sein wird; der Erste den ich in langen Jahren überhaupt feiern werde. Auch ich freue mich schon darauf.
| Petrale hat folgendes geschrieben: |
Hallo Marina,
ich kann Dir gut nachfühlen. Auch mich tribt s immer wieder in ein tiefes Loch. Auch nach jetzt mehr als 5 Jahren nachdem ich bei meiner Frau und auch bei verschiedenen Treffen geoutet bin. Es ist auch für mich schön als Frau einkaufen zu gehen. Leider bin ich meist allein unterwegs. Die paar Mal wo noch eine Schwester oder auch eine Frau dabei waren, waren die schönsten. |
Liebe Petra, was soll ich dazu sagen... Ich kann wirklich nur hoffen nicht wieder in dieses Loch zurück zu fallen. Aber ich habe so das Gefühl das, wenn ich mich nur frühzeitig genug melde bevor ich versinke, jemand von hier mich wieder hochzieht. Sie haben es ja schon einmal getan.
Komplett en femme war ich bis jetzt noch nicht einkaufen, nur so sagen wir mal ¾. Aber ich bin sicher das kommt auch bei mir noch.
Übrigens, für den Begriff "Schwester" wurde ich hier schon ganz heftig von der Nordseekrabbe gezwickt
Euch allen vielen Dank für die Antworten.
Ich staune über mich selbst, wie sehr und vor allem wie schnell sich mein Leben verändert hat. Na ja, nach 20 Jahren Stillstand erscheinen auch kleine Veränderungen ziemlich groß.
Viele Grüße
Marina |
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Gitta Moderator


Alter: 50 Angemeldet seit: 02.11.2006 Beiträge: 226 
Wohnort: Nähe Bonn
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Verfasst am: 25.Feb.10 18:08 Nr: 19053 Titel: Re: Meine Gedanken |
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@ Manu und Ava:
| Ava hat folgendes geschrieben: |
| Manu hat folgendes geschrieben: |
| Weil Gitta ist nämlich manchmal ein kleiner Freßsack. |
... yep, das ist bekannt. Und der Rest verschwindet in ihrer Handtasche, z.B. für Belgien, Bremen, Bitburg und ähnliche Ziele. ... |
Was meint ihr eigentlich, wofür ich mir so eine große Handtasche zugelegt habe? Ihr seid doch die ersten, die auf Reisen immer nach Zusatzverpflegung plärren...
Hallo Marina,
Wenn ich deinen sehr schönen offenen Bericht so lese, entdecke ich doch unheimliche Parallelen zu meinem bisherigen Leben.
Bevor ich hier überhaupt etwas geschrieben habe, habe ich genau wie du erstmal alte, ja zum Teil uralte Beiträge gelesen um zu schauen, ob ich hier überhaupt richtig bin.
Und wenn ich an meinen ersten Stammtisch denke, dann wird mir jetzt noch flau in der Magengegend. Ein halbes Jahr habe ich immer wieder Anlauf genommen, bin losgefahren, natürlich ungeschminkt und ich hatte damals auch nur ein Outfit, und immer wieder an der Gaststätte vorbei und wieder zurück nach Hause. Dann war es soweit, wieder stand ich vor der Tür, saß im Auto, bis eine Dame vorbeistöckelte und ich mir einfach sagte, was die kann, das kannst du auch. Vor Aufregung nichts gegessen, wenig getrunken und vor allem natürlich kaum ein Wort heraus gebracht.
Naja, inzwischen hat sich das ja dann gelegt, aber auch ich habe zuerst kleine Schritte gemacht, die dann auch mit der Zeit immer größer wurden. Mittlerweile geht Gitta ja auch schon mal ganz gerne alleine raus zum Einkaufen oder so…
Besonders erschreckt haben mich dann aber doch die Gemeinsamkeiten, die du im letzten Absatz beschreibst. Ja, die einsamen Jahre kenne ich nur zu gut, wenn auch vielleicht aus anderen Beweggründen, als du sie hattest. Aber mein männlicher Part war in genau so einem – vielleicht nicht ganz so tiefen – Loch, wie du es warst. Nur die Gitta war ein anderer Mensch und konnte leben. Na gut, psychologische Hilfe habe ich nicht in Anspruch genommen, aber die depressiven Phasen sind auch da gewesen, und von daher kann ich es dir – wenigstens zum Teil - nachfühlen, wie schlimm es wohl für dich gewesen sein muß. Und es stimmt, das macht misstrauisch, vorsichtig und damit noch einsamer. Dann fand ich dieses Plattform hier und damit viele nette und verständnisvolle Menschen, ja, sogar Freunde. Ich blühte, wenn auch nur als Gitta und auch nur zeitweise, richtig auf. Und danach versank ich wieder in meinem ach so sicheren Loch. Das war also bei mir nicht der Grund dafür.
Inzwischen ist nun auch der männliche Teil von mir aus der Dunkelheit zum Leben erweckt, dank einer Person, die ich schon lange kenne und mit der ich, genau wie sie mit mir. eigentlich - wenn auch unbewußt - bereits seit 10 Jahren eine mentale Beziehung führe. Aber das habe ich ja bereits an anderer Stelle beschrieben und gehört nicht zu deinem Thema.
Also, wieso sollte deine Geschichte denn niemanden interessieren? Nein im Gegenteil, sie trägt doch sehr zum Verständnis deiner Person bei und gibt gleichzeitig Hilfe und Unterstützung bei Userinnen mit ähnlichen Problemen. Also nur weiter so. _________________ Liebe Grüße von der Eifelelfe
Gitta
Gitta's Leben ist draußen |
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marina711 Premium


Alter: 39 Angemeldet seit: 12.12.2009 Beiträge: 197 
Wohnort: Meerbusch
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Verfasst am: 25.Feb.10 21:49 Nr: 19064 Titel: |
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Hallo Gitta,
es freut mich, auch einmal von dir eine Antwort zu bekommen. Xenia , aber vor allem Ava sind ja meistens viel aktivere Schreiberinnen hier. Deshalb freut mich diese Antwort ganz besonders.
| Gitta hat folgendes geschrieben: |
| ..wenn ich an meinen ersten Stammtisch denke, dann wird mir jetzt noch flau in der Magengegend. Ein halbes Jahr habe ich immer wieder Anlauf genommen, bin losgefahren, natürlich ungeschminkt und ich hatte damals auch nur ein Outfit, und immer wieder an der Gaststätte vorbei und wieder zurück nach Hause. Dann war es soweit, wieder stand ich vor der Tür, saß im Auto, bis eine Dame vorbeistöckelte und ich mir einfach sagte, was die kann, das kannst du auch. Vor Aufregung nichts gegessen, wenig getrunken und vor allem natürlich kaum ein Wort heraus gebracht |
Na da kann ich ja stolz auf mich sein. Ich habe so gesehen nur den einen Anlauf gebraucht. Aber so bin ich eben: Ganz oder gar nicht. Habe ich erst einmal einen Entschluss gefasst, gibt es (kaum) ein Zurück. Das ist, wie ich erst seit kurzem weis, eine typische Eigenschaft aller Skorpion-Geborenen. Wie schon geschrieben, habe ich lange, lange drüber nachgedacht, aber als die Entscheidung gefallen war habe ich es einfach durchgezogen. Zum Café Süd gefahren, tief durchatmen, aussteigen und los. Es gab kein Zurück mehr. Und das ist auch gut so.
| Gitta hat folgendes geschrieben: |
Besonders erschreckt haben mich dann aber doch die Gemeinsamkeiten, die du im letzten Absatz beschreibst. Ja, die einsamen Jahre kenne ich nur zu gut, wenn auch vielleicht aus anderen Beweggründen, als du sie hattest. Aber mein männlicher Part war in genau so einem – vielleicht nicht ganz so tiefen – Loch, wie du es warst. Nur die Gitta war ein anderer Mensch und konnte leben. Na gut, psychologische Hilfe habe ich nicht in Anspruch genommen, aber die depressiven Phasen sind auch da gewesen, und von daher kann ich es dir – wenigstens zum Teil - nachfühlen, wie schlimm es wohl für dich gewesen sein muß. Und es stimmt, das macht misstrauisch, vorsichtig und damit noch einsamer. Dann fand ich dieses Plattform hier und damit viele nette und verständnisvolle Menschen, ja, sogar Freunde. Ich blühte, wenn auch nur als Gitta und auch nur zeitweise, richtig auf. Und danach versank ich wieder in meinem ach so sicheren Loch. Das war also bei mir nicht der Grund dafür.
Inzwischen ist nun auch der männliche Teil von mir aus der Dunkelheit zum Leben erweckt, dank einer Person, die ich schon lange kenne und mit der ich, genau wie sie mit mir. eigentlich - wenn auch unbewußt - bereits seit 10 Jahren eine mentale Beziehung führe. Aber das habe ich ja bereits an anderer Stelle beschrieben und gehört nicht zu deinem Thema |
Oh ja, das Loch war (ist noch) tief, sehr tief sogar. So tief, dass selbst der Teil, der Marina ist nicht wirklich leben konnte. Einfach weil ich jede Perspektive im Leben verloren hatte. Ich habe mich so oft gefragt ob das alles sein kann: Arbeiten. Ich hatte 13 Jahre nichts anderes. Sicher, ich habe noch meine Mutter, um die ich mich ja jedes Wochenende kümmere. Aber sie kann mich nicht wirklich verstehen. Und sonst? Mit meinen Vater will ich nichts mehr zu tun haben. Mein Bruder hat sein eigenes Leben, mit eigenen Sorgen. Dank meines Jobs hatte ich die paar wenigen Freunde, die ich mal hatte, auch Nach und Nach verloren.
Hier konnte ich mich zum ersten Mal in Jahr(zehnten) wieder mit anderen Menschen austauschen, wenn auch zuerst nur indirekt, so wie jetzt. Aber selbst das ist viel besser als zu Hause sitzen und grübeln oder langweilen vor der Glotze. Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich in einem Hotelzimmer in Lissabon. Ein hoch auf das Internet, denn es spielt (fast) keine Rolle wo ich bin. Durch das Internet kann ich mit euch Kontakt halten (fast) egal wohin mich mein Job auch wieder verschlägt. Ausnahme sind vermutlich nur ein paar extrem konservative Länder im Nahen Osten.
Deine Geschichte ist mir wohl bekannt. Umso mehr war ich erstaunt als jene Person mich hier im GT angeschrieben hatte. Ich war sprachlos und habe eine ganze Weile gebraucht bis ich überhaupt etwas zurück schreiben konnte. Inzwischen hat sich daraus ein interessanter und für mich wichtiger Gedankenaustausch entwickelt. Deshalb hoffe ich, dass wir am 06.03. die Zeit haben endlich einmal persönlich mit einander zu reden. Beim letzten Mal hat es sich ja irgendwie nicht ergeben.
| Gitta hat folgendes geschrieben: |
| Also, wieso sollte deine Geschichte denn niemanden interessieren? Nein im Gegenteil, sie trägt doch sehr zum Verständnis deiner Person bei und gibt gleichzeitig Hilfe und Unterstützung bei Userinnen mit ähnlichen Problemen. Also nur weiter so. |
Ich danke dir, das gibt mir das Gefühl auch ein ganz klein wenig zum Erfolg des GT beigetragen zu haben. Es ist mir auch ein Bedürfnis etwas zurück zu geben, nachdem ich hier so viel Hilfe erfahren habe. Kürzlich sagte mir meine Mutter, dass Ihr aufgefallen ist, dass ich in letzter Zeit viel ruhiger und ausgeglichener bin als früher. Das habe ich diesem steigenden Gefühl innerer Zufriedenheit zu verdanken. Das sich aber dieses Gefühl immer stärker einstellt habe ich zweifellos euch zu verdanken.
LG
Marina |
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marina711 Premium


Alter: 39 Angemeldet seit: 12.12.2009 Beiträge: 197 
Wohnort: Meerbusch
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Verfasst am: 02.März.10 20:08 Nr: 19134 Titel: |
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Meine Lieben,
heute überkam mich wieder der Drang zu schreiben. In den letzten Tagen sind mir wieder viele Dinge durch den Kopf gegangen.
Wie Ava mir schon einmal geschrieben hat, es hat sich viel aufgestaut über die Jahre. Leider gibt es kein „magisches“ Überdruckventil, „Puff“ und der Druck ist weg. Nein, diesen Druck kann man nur langsam und dosiert ablassen. Und die beste Möglichkeit dazu ist Reden. Nur fehlt mir dazu, auch berufsbedingt, die direkte Möglichkeit dies öfter zu tun. So bleibt mir nur die zweitbeste Möglichkeit, nämlich schreiben. Also wenn’s mal wieder lang wird bitte ich dies schon jetzt, am Anfang meines Post, zu entschuldigen.
Seit ich mich hier mit eurer Hilfe so intensiv mit meiner eigenen Transidentität beschäftigt habe ist mir vieles klarer geworden. Einige Dinge darüber habe ich ja schon vorher mal geschrieben. Aber eine neue Entwicklung für mich ist, dass ich erkannt habe, das die beste Möglichkeit für mich mit meiner TI im Alltag umzugehen, dies mental zu tun. Bisher war ich oft genervt, wenn ich am Wochenende mit meiner Mutter den großen Einkauf machte. Es konnte gar nicht schnell genug vorbei sein. Ich hasste Menschenmengen und das Gedränge im Einkaufscenter. Seit ich mich ganz bewusst darauf einlasse ist es eine schöne Sache im Supermarkt einzukaufen. Durch die Gänge laufen und die Einkaufsliste abzuhaken, aber auch gleichzeitig zu überlegen was könnten wir den mal wieder Kochen, was hatten wir schon lange nicht mehr und was brauchen wir dafür. Die Menschenmengen und das Gedrängel sind mir zwar immer noch unangenehm aber es ist nicht mehr so schlimm. Ich kann so meinem Ich freien Lauf lassen, ohne mich verkleiden zu müssen. Und das gleiche gilt auch, wenn ich direkt nach der Arbeit noch einkaufen gehe. Dann habe ich weder die Zeit noch die Möglichkeit mich zurechtzumachen. Der wesentliche Unterschied zum Wochenende ist aber, das ich fast immer schon mehr als halb in femininer/androgyner Kleidung unterwegs bin. Umso leichter fällt mir dann das mentale „Umschalten“. Ich empfinde dies inzwischen als fast normal, oder anders ausgedrückt, so sollte es eigentlich immer sein.
Wenn das zurechtmachen nicht so lange dauern würde, würde ich es auch viel öfter tun, aber 2 Stunden „anmalen“ für 1 Stunde Einkaufen, das steht für mich in keinem akzeptablen Verhältnis. Daher bleibt dies vorläufig nur besonderen Anlässen, wie Stammtisch oder Ausgehen vorbehalten. Dies alles hat aber bei mir zu einer inneren Ruhe geführt, wie ich sie eigentlich so bisher noch nicht gekannt habe. Das ich um so vieles ruhiger bin ist auch schon meiner Mutter aufgefallen, wie ich schon in meinem vorherigen Post erwähnt habe.
Eine andere Sache, die ich für mich entdeckt habe ist der Genderchat. Es ist zwar meistens nicht viel los, oder besser gesagt, es sind eigentlich immer die Gleichen da (huhu Rita, Bianca und Dina). Aber für mich ist dieses ungezwungene Plaudern zu einer wichtigen Möglichkeit geworden direkt über das zu reden bzw. schreiben was mich gerade bewegt und ein bisschen Spaß dabei zu haben. Es ist sicherlich nicht so intensiv wie bei einem Treffen, aber dafür geht es überall, wo ein Internetzugang vorhanden ist. Auch von ganz, ganz weit weg, was angesichts meiner beruflichen Situation besonders wichtig ist. Schreibe ich hier im Forum, kann es Stunden oder Tage dauern bis irgendwer antwortet, wenn überhaupt. Im Chat dauert es meistens nur ein paar Sekunden, solange halt, wie das Tippen dauert.
Ich habe vor einiger Zeit einen intensiven Gedankenaustausch mit einer unserer Userin Nephele aufgenommen. Wir schreiben uns inzwischen fast täglich. Auch dies ist mir inzwischen zu einer wichtigen Institution geworden, da wir beiden „Neuen“ uns gegenseitig unterstützen. Auch wenn wir beide uns bisher nicht persönlich kennen, und sich dies auch aufgrund der Entfernung so schnell nicht ändern lässt, hat sich doch eine Freundschaft entwickelt. Eine Brief-Freundschaft, die uns beide beflügelt und voran bringt.
Babaras letzter Post und Avas lange, ausführliche Antwort darauf hat mich sehr bewegt. Ich musste viel darüber nachdenken. Ich muss zugeben, in Gedanken habe ich auch schon damit gespielt, den „ganzen“ Weg zu gehen. Aber insofern muss ich beiden Recht geben, eine „echte“ Frau kann keine von uns jemals werden. Dazu ist auch in mir noch zuviel Mann. Im Gegensatz zu den beiden stehe ich aber noch am Anfang meiner eigenen Entwicklung und im Moment weis ich noch nicht so genau wohin die Reise dereinst hingehen wird. Ich habe mich natürlich darüber informiert welche Konsequenzen eine vollständige Transition hat, sowohl körperlich als auch die gesellschaftlichen Konsequenzen. Umso mehr glaube ich nicht, dass die damit verbundenen Schmerzen und das Leid es bei mir Wert sind. Es mag andere geben, bei denen der Lebensschmerz größer ist als das Leiden, das mit einer Transition verbunden ist; im Moment jedenfalls komme ich auch so ganz gut zurecht.
Es ist für mich aber auch erstaunlich, das dies so ist, denn auch ich tendiere stark zu diesem schwarz-weiß denken. Einer meiner Wahlsprüche ist es eben „ganz oder gar nicht“.
Nur beziehe ich dies eben darauf wie ich mich jetzt präsentiere. Ich versuche so gut wie nur möglich herüberzukommen. Natürlich weis ich, dass ich davon noch kilometerweit entfernt bin. Aber nur wenn ich auch eine Rückmeldung bekomme kann ich mich selbst verbessern. Deshalb möchte ich euch bitten, wenn euch etwas an mir nicht passt, dass ihr mir dies auch ungeschönt und direkt sagt. Kritik einzustecken ist sicherlich für niemanden angenehm, aber nur so kann ich mich auch selbst weiterentwickeln.
Diese Phasen, in denen ich gar keinen Drang mehr verspüre, beziehungsweise sogar alles ablehnte kenne ich auch. In all den Jahren, in denen ich alles heimlich getan habe, habe ich bestimmt 5x meinen gesamten Fundus in die Mülltonne oder die Altkleidersammlung gesteckt und geglaubt, das war es dann. Nur länger als 6 Wochen hat es nie angehalten und ich fing wieder von vorne an. Soweit ich gelesen habe, haben wir alle wohl schon einmal diese Phasen erlebt und immer mit dem gleichen Ergebnis: Die TI lässt sich auf Dauer nicht unterdrücken.
Aufgrund Veronicas Antwort kann ich mir schon lebhaft vorstellen, dass es für eine TS sogar noch viel heftiger ist als das was ich so erlebe.
Wobei ich wiederum Ava Recht geben muss, wo genau soll die Grenze zwischen all den Definitionen gezogen werden. Wie genau definiert man DWT, TV, TG oder TS? Ich weis es nicht und ich denke ich bin auch nicht dazu berufen hierzu eine Aussage zu machen, außer das die Grenzen, meiner Meinung nach, fließend und eigentlich undefinierbar sind.
Ich weis natürlich nicht wie es anderen geht, aber in Gedanken war ich schon da, im Frauenland. Aber die Gedanken sind frei, wenn ich auch weis, dass ich wohl dort niemals ankommen werde.
Zum Erlebnis des ersten Rausgehens, dass ich heute von Tanja aus Hamburg gelesen habe, kann ich nur sagen das es mir ganz genauso ging, als ich zum ersten Mal mit ganz en femme mit Perücke aber ungeschminkt einkaufen ging. Ich war damals ungefähr im gleichen Alter, so Mitte 20. Danach kamen wieder Phasen in denen ich es verleugnet habe und allenfalls im Zimmertranse war. Heute wünschte ich mir, ich hätte diese mentale Einstellung, die sich in letzter Zeit bei mir gebildet hat, schon vor über 20 Jahren gehabt. Da wäre vieles noch viel leichter gewesen, ich übrigens auch.
Andererseits, ich bezweifle das die Gesellschaft in den 1990 Jahren schon so tolerant war wie heute. Wobei tolerant ist relativ, denn ich denke, wir werden heute, offen gesagt, allenfalls geduldet. Von der Akzeptanz, die die homosexuellen heute erreicht haben sind wir noch sehr weit entfernt. Umso mehr befürworte ich die, vor allem von Xenia und Ava geleistete Öffentlichkeitsarbeit.
So wie ich schon befürchtet hatte, ist mein Gedankenerguss wieder viel zu lang geworden. Aber was ist schon zu lang? Bei all den Sachen die mir so durch den Kopf schwirren hätte ich noch viel mehr schreiben können, nur tut mir langsam die Hand weh vom vielen Tippen.
Eure Marina |
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Xenia Administrator


Alter: 52 Angemeldet seit: 25.04.2006 Beiträge: 829 
Wohnort: Erkrath
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Verfasst am: 02.März.10 21:05 Nr: 19138 Titel: |
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Hi Marina,
zwei Dinge möchte ich zu deinem ausführlichen Brief sagen:
Das Zurechtmachen und das Schminken wird sich mit der Zeit immer mehr verkürzen.
Die Öffentlichkeitsarbeit leisten wir alle, nicht Ava und ich alleine! Aber vielleicht hat das Team mit der Gründung des Gendertreff (Treff, Blog, Portal etc.) dazu beigetragen etwas zu bewegen und das ist die Sache wert.
LG
Xenia _________________ Transgender aus Leidenschaft |
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Ava Moderator


Alter: 42 Angemeldet seit: 16.04.2007 Beiträge: 637 
Wohnort: Krefeld
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Verfasst am: 03.März.10 00:14 Nr: 19145 Titel: |
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Hallo Marina,
vielen Dank, dass Du uns an Deinen Gedanken teilhaben lässt.
| Xenia hat folgendes geschrieben: |
| Die Öffentlichkeitsarbeit leisten wir alle, nicht Ava und ich alleine! Aber vielleicht hat das Team mit der Gründung des Gendertreff (Treff, Blog, Portal etc.) dazu beigetragen etwas zu bewegen und das ist die Sache wert. |
Das sehe ich genauso. Auch Du, Marina, leistest eine Menge Öffentlichkeitsarbeit, denn Deine Berichte hier geben ungefiltert die Gedanken und den Werdegang eines Transgenders wieder. Das ist sehr wichtig, denn es hilft anderen Transgendern bzw. es hilft, sie genau dort abzuholen, wo sie stehen.
Neben dem Team gibt es hier viele sehr engagierte Mitmenschen, die helfen, das Thema Transgender ein Stück weit voranzubringen. Dies tun sie auf unterschiedlichste Weise: Von der Mitarbeit bei der Vorbereitung von Events bis hin zu Fachwissen, das sie aus ihren Berufen mitbringen. So hat uns z.B. Sarah den Gendertreff Flyer professionell gestaltet und für den Druck vorbereitet. Conny-Lynn und Cinderella haben sich lange Zeit ebenfalls im Gendertreff-Team engagiert und viele wertvolle Ideen eingebracht. Dies sind nur einige Beispiele die zeigen, dass der Gendertreff ohne die vielen fleißigen Hände hier nicht möglich wäre. Und wie Du siehst trägst Du nun auch schon ein Stück dazu bei.
Viele Grüße
Ava _________________ Der Gendertreff bei Twitter http://twitter.com/gendertreff |
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marina711 Premium


Alter: 39 Angemeldet seit: 12.12.2009 Beiträge: 197 
Wohnort: Meerbusch
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Verfasst am: 03.März.10 00:24 Nr: 19146 Titel: |
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@Xenia & Ava
danke für die Antwort,
aber ich habe den Rest des Team ganz sicher nicht vergessen, als ich das schrieb.
Es ist nur so, das ihr beiden sozusagen das Gesicht des GT seit.
Ihr beide steht ganz vorne an der Front und macht die meiste Arbeit im Blog, Portal usw.
Das soll auf keinen Fall die wichtige Arbeit aller anderen schmälern.
Umsomehr freut es mich, das Ihr der Meinung seit, ich würde auch etwas beitragen.
LG Marina |
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marina711 Premium


Alter: 39 Angemeldet seit: 12.12.2009 Beiträge: 197 
Wohnort: Meerbusch
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Verfasst am: 03.März.10 18:08 Nr: 19151 Titel: |
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Hallo,
irgendwie juckt es mich in den Fingern und ich kann nicht aufhören zu schreiben.
Dieses Mal möchte ich ein bisschen darüber berichten wie es mir gestern beim Chatten ergangen ist. Um dies besser ausdrücken zu können tue ich dies in Form eines Streitgesprächs zwischen Marina und „Er“.
Die Situation ist folgende: Marina chattet gerade darüber, welche Einkäufe sie heute getätigt hat.
Marina: Heute habe ich mir eine neue Bluse mit passender Stickweste gekauft. Frau muss schließlich gut aussehen am Samstag
Er: Was quasselst du da schon wieder. Und mit wem redest du da überhaupt.
Marina: Ich rede mit einer Freundin über meine Einkäufe.
Er: Freundin? Das ich nicht lache. Die sind doch genauso seltsam wie du.
Marina: Ja und?
Er: Du kannst doch nicht mit wildfremden Leuten über deine völlig nutzlosen Einkäufe reden!
Marina: Wieso nicht? Wir Frauen shoppen doch alle gern. Und Nutzlos sind die Sachen bestimmt nicht. Und wie kommst du auf wildfremd?
Er: Wieso wildfremd? Du hast die doch erst 3x getroffen und bezeichnest die schon als Freundinnen?
Marina: Ja, das tue ich.
Er: Trotzdem gehen „DIE da“ deine Einkäufe nichts an.
Marina: Doch, das tun sie. Jedes Mädel redet doch gerne übers shoppen.
Er: Du bist kein Mädel.
Marina: Dann bist du kein Kerl.
Er: Ich bin ein Kerl, soviel ist sicher.
Marina: Darf ich daran erinnern dass wir ein und dieselbe Person sind?
Er: Äääh…
Marina: Ja, mein Lieber, wir sind eins. Wir sind beides, Mann und Frau.
Er: Das sind wir nicht!
Marina: Doch, schau doch mal in den Spiegel.
Er: Ich sehe nur mich.
Marina: Und ich sehe mich. Wen hast du denn Rosenmontag im Spiegel gesehen?
Er: (leise): Dich…
Marina: Ja genau, mich. Aber ich habe dich auch noch gesehen. Wir sind eins.
Er: (leise): Ja…
Marina: Du hast mich viel zu lange unterdrückt. Jetzt bin ich frei und tue was ich will!
Er: Frei, das ich nicht lache! Du bist doch nur die Karikatur einer Frau.
Marina: Und du glaubst du bist der große Macho, den du vorgibst zu sein?
Er: Klar, was sonst?
Marina: Und wie oft hast du im Auto gesessen und geweint, weil dich ein Song wieder so mitgenommen hat?
Er: Ich habe nicht geheult. Das warst du!
Marina: Nein, das waren wir! WIR! Finde dich endlich damit ab, du wirst mich bis zu unserem Ende nie mehr loswerden.
Er: Grmpf…
Marina: Dass du mich so lange unterdrückt hast, hat mich nur stärker gemacht. Aber jetzt sollten wir endlich versuchen Frieden zu schließen. Lass mir meine Freiheit und ich lasse dir Deine. Nur so können wir auf Dauer zusammenleben.
Er: Ich sag jetzt besser nichts mehr…
Marina: Ja, denke nur gut darüber nach. Wenn du zu einer Entscheidung gekommen bist, du weist ja wo du mich findest.
Das spiegelt so in etwa die Gedanken wider, die mir während dem Chatten durch den Kopf schossen.
Wie ihr seht ist dieser innere Kampf noch lange nicht ausgestanden. Aber es geht vorran.
LG Marina |
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